Säumige Kunden - oder: von der Mahnung bis zur Zwangsvollstreckung -

Wer kennt das nicht? Nachdem der Vertrag geschlossen und die Leistung erbracht wurde, zahlt der Kunde zunächst nicht, obwohl die Zahlung bereits fällig ist. Leistungen und Zahlungen werden übrigens im Zweifel sofort fällig, sofern dem Kunden keine Zahlungsfrist eingeräumt wurde.

In der Regel erfolgt dann eine Mahnung.

Dies ist eine eindeutige nochmalige Leistungsaufforderung, beispielsweise mit der Formulierung: „Bitte zahlen Sie jetzt den noch offenen Betrag in Höhe von … € aus der Rechnung vom …, längstens bis zum …“.
Eine solche Mahnung setzt den Kunden in Verzug. Ab Verzug schuldet der Kunde auch den Verzugsschaden.
Zum Verzugsschaden gehören zunächst die Kosten der ersten Mahnung. Bei Geschäftsleuten werden als angemessene Kosten dafür in der Regel 2,50 € anerkannt. Nicht als Schaden anerkannt wird die Arbeitszeit, die für die Beitreibung der offenen Forderung verwendet wird. Wenn Verzug vorliegt, muss derjenige, der in Verzug ist, auch die Kosten der Rechtsverfolgung tragen, also z.B. die Anwaltskosten.
Insbesondere bei hohen Forderungen empfiehlt es sich, die erste Mahnung so zu versenden, dass der Zugang beim Kunden bewiesen werden kann.
Die Kosten von Inkassounternehmen sind manchmal höher als die Gebühren, die ein Rechtsanwalt für den Forderungseinzug berechnet. Der säumige Kunde ist nicht verpflichtet, Inkassokosten zu tragen, die die Vergütung eines Rechtsanwalts übersteigen. Die Rechtsprechung hält dies für unnötige Kosten, da sogleich ein Rechtsanwalt hätte beauftragt werden können.
Die gerichtliche Geltendmachung von Geldforderungen erfolgt in der Regel im Mahnverfahren. Für das automatische Mahnverfahren ist für ganz Schleswig-Holstein das Amtsgericht Schleswig zuständig. Im Mahnverfahren ist zu beachten, dass die geltend gemachten Forderungen genau bezeichnet werden müssen.
Zahlt der säumige Kunde trotz rechtskräftigen Titels nach wie vor nicht, kann die Zwangsvollstreckung betrieben werden. Typischerweise wird ein Gerichtsvollziehers beauftragt oder eine Lohnpfändung durchgeführt.
Ist das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Kunden eröffnet und handelt es sich um eine Forderung die bis zur Eröffnung begründet wurde, kann keine Zwangsvollstreckung betrieben werden, die Forderung wird dann im Insolvenzverfahren angemeldet. Unter https://www.insolvenzbekanntmachungen.de/ ist zu ersehen, ob ein Insolvenzverfahren über das Vermögen des Schuldners eröffnet wurde und bis wann die Forderungen angemeldet werden müssen. Die Fristen sollten eingehalten werden, da die Forderung sonst ggf. ganz abgeschrieben werden muss.